Patholinguisten sind akademisch
ausgebildete Sprachtherapeuten, die spezialisiert sind auf
die Diagnostik und Therapie von entwicklungsbedingten und
erworbenen Störungen der Sprache, des Sprechens und des
Schluckens bei Kindern und Erwachsenen.
Im Rahmen der klinisch-praktischen Arbeit sind
Patholinguisten in Akutkrankenhäusern,
Rehabilitationseinrichtungen, Förderzentren und
sprachtherapeutischen Praxen tätig. Zu den zentralen
Aufgabengebieten gehören neben der Prävention von Sprach-
und Sprechstörungen die differenzierte Diagnostik und
Therapie der sprachtherapeutischen Störungsbilder, sowie
die Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen.
Folgende Störungsbilder werden von Patholinguisten
diagnostiziert und behandelt:
Sprachentwicklungsstörungen äußern sich im
zeitlichen und/oder inhaltlich abweichenden Erwerb der
Muttersprache im Kindesalter. Die Probleme können sich in
unterschiedlichen Bereichen zeigen, wie der Entwicklung des
Lautsystems und der Aussprache (Phonetik/Phonologie), des
Wortschatzes und der Wortbedeutung (Lexikon/Semantik) oder
im Bereich der Grammatik (Syntax/Morphologie).
Sprachentwicklungsstörungen können isoliert oder in
Kombination mit anderen kindlichen Entwicklungsstörungen
auftreten. Besonders bei isolierten Störungen ist die
Ursache meist unklar. In der therapeutischen Intervention
wird am Institut für Linguistik ein sprachspezifischer
Ansatz verfolgt, der den linguistischen Verarbeitungs- und
Speicherproblemen Rechnung trägt.
Entwicklungsdyslexien / -dysgraphien: sind
Störungen im Erwerb des schriftsprachlichen Systems der
Muttersprache. Sie werden auch als Lese-Rechtschreibstörung
(LRS) bzw. Legasthenie bezeichnet. In den häufigsten Fällen
zeigen LRS-Patienten in der Anamnese Beeinträchtigungen des
Lautspracherwerbs, besonders im Bereich des Lautsystems und
der Aussprache. Sowohl in der Diagnostik als auch der
therapeutichen Intervention wird eine modelltheoretische
Herangehensweise mit Überprüfung und Training der zugrunde
liegenden Mechanismen angewendet.
Redeflussstörungen: Die Unterbrechung des
Redeflusses durch Wiederholungen, Verzögerungen oder
Blockierungen wird als Stottern bezeichnet. Eine
entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeit kann sich
zurückbilden, oder auch zu beginnendem oder chronologischem
Stottern ausbilden. Physiologische, psycholinguistische
oder psychosoziale Faktoren können an der Enstehung und
Aufrechterhaltung des Stotterns Anteil haben. Die Ursachen
und Symptomatiken des Stotterns sind außerordentlich
komplex
Aphasien: darunter versteht man erworbene
Störungen der Sprache, die zumeist nach Schlaganfällen
auftreten, aber auch Folge einer Hirnblutung oder
–verletzung sein können. Aphasien äußern sich in z.B.
Sprachverständnisstörungen oder auch Schwierigkeiten bei
der Wortfindung oder der Satzkonstruktion.
Dyslexien / Dysgraphien sind erworbene
Störungen der Schriftsprache, die häufig im Zusammenhang
mit der oben beschriebenen aphasischen Symptomatik
auftreten. Sie treten aber auch isoliert auf.
Dysphagien sind Schluckstörungen und damit
verbundene Störungen der Nahrungsaufnahme, die durch
Hirnverletzungen, Tumorerkrankungen oder Paresen der
Facio-Oralen Muskulatur bedingt sein können.
Dysarthrophonien: bei diesem Störungsbild
handelt es sich um eine sprechmotorische Störung, die zu
Beeinträchtigungen der Sprechatmung, Sprechstimme,
Artikulation oder Prosodie führen kann. Ursache sind
neurogene Krankheitsbilder, die sich auf die
Bewegungsfähigkeit und Koordination der Sprechmuskulatur
auswirken.
Sprechapraxien gehören ebenfalls zu den
sprechmotorischen Störungen. Anders als bei den
Dysarthrophonien ist die Ursache nicht eine Störung der
Bewegungsfähigkeit der Sprechmuskulatur, sondern eine
Beeinträchtigung der motorischen Planung von
Sprechbewegungen auf neuronaler Ebene.
Im Rahmen der patholinguistischen Ausbildung werden den
Studierenden die theoretischen Grundlagen der verschiedenen
Störungsbilder vermittelt. Darauf aufbauend lernen sie die
Anwendung und Auswertung der relevanten wissenschaftlich
fundierten Diagnostikverfahren für die entsprechenden
Anwendungsgebiete. Zur Behandlung der Patienten werden
vorwiegend evidenzbasierte Therapieansätze verwendet, die
auf modelltheoretischen Grundlagen basieren und sich aus
einschlägigen Forschungsergebnissen ableiten lassen. Die
Studenten erwerben diese diagnostischen und therapeutischen
Fähigkeiten in Seminaren, Übungen und in supervidierten
mehrmonatigen Praktika am Institut. Anschließend vertiefen
sie diese Kompetenzen in externen Praktika an verschiedenen
therapeutischen Einrichtungen.
