Professur für Psycholinguistik mit dem Schwerpunkt
Spracherwerb
Psycholinguistische Studien zum Spracherwerb befassen sich
zum einen mit der Erfassung und der genauen Beschreibung
des typischen Spracherwerbsverlaufs in einer spezifischen
Sprache. Hier stehen Fragen nach dem chronologischen Aufbau
von Wissen in den verschiedenen sprachlichen Komponenten
wie Phonologie, Lexikon und Syntax im Vordergrund. Die
Ergebnisse dieser Forschungsrichtung sind zentral für die
Erarbeitung diagnostischer Kriterien für
Spracherwerbsstörungen. Ein zweiter Forschungsbereich ist
die Frage nach den verschiedenen Einflussfaktoren, die es
dem Kind erlauben seine Muttersprache im Normalfall
problemlos und relativ schnell zu erwerben: welchen Anteil
haben hier sprachspezifische kognitive Mechanismen, welchen
Anteil generelle, nicht nur auf den Erwerb von Sprache
spezialisierte Lernstrategien und welche Rolle spielen
soziale Aspekte der kindlichen Interaktion mit seiner
Umwelt. Eine Klärung dieser Fragen ist notwendig für die
Eingrenzung möglicher Ursachen für Spracherwerbsstörungen
und damit auch die Voraussetzung für die Entwicklung von
therapeutischen Interventionsmaßnahmen, die speziell auf
die jeweilige Störungsursache abzielen.
Die klinische Umsetzung patholinguistischer Forschung im
Bereich der Spracherwerbsstörungen findet durch die
Entwicklung, Erprobung und Evaluierung spezifischer
Diagnostik- und Therapieverfahren für
sprachentwicklungsgestörte Kinder statt. Durch eine
gezielte Diagnostik kann der Sprachentwicklungsstand eines
Kindes auf allen sprachlichen Ebenen erfasst und mit den
erwartbaren Leistungen sprachunauffälliger gleichaltriger
Kinder verglichen werden. Aus dem individuellen
Störungsprofil werden dann die Therapiegegenstände
abgeleitet und mit geeigneten Therapiemethoden umgesetzt.
Eine therapeutische Intervention kann im Sinne einer
Frühintervention bei Kindern mit verzögertem Sprechbeginn
bereits im dritten Lebensjahr einsetzen; weitere
Zielgruppen der patholinguistischen Therapie sind Vorschul-
und Schulkinder mit spezifischen
Sprachentwicklungsstörungen und Lese-Rechtschreibstörungen
sowie Kinder und Jugendliche mit Sprachstörungen, die im
Rahmen anderer Krankheitsbilder auftreten.
