Professur für Patholinuistik/kognitive
Neurolinguistik
Die Professur für Patholinuistik/kognitive Neurolinguistik
konzentriert sich in der Forschung auf die Zusammenhänge
zwischen Sprache und Gehirn und untersucht die
Auswirkungen, die erworbene Schädigungen der Hirnfunktion
auf die Fähigkeiten der Sprach-, Sprech- und
Schluckfunktion haben.
Neurolinguistische Fragestellungen bei erwachsenen
Patienten sind z.B. syntaktische Verarbeitungsprozesse und
agrammatische Störungen, semantische Verarbeitung und
Störungen der Semantik bei lokalisierter sowie
progredienter Aphasie, die Verarbeitung von Wortarten und
wortartenspezifische Störungen, sowie die Konstruktion und
Evaluierung modelltheoretischer Aphasie-, Dyslexie- und
Dysgraphietherapien. Da viele Patienten mit Aphasie
begleitende sprechmotorische Störungen (Dysarthrophonien
und Sprechapraxien) und Schluckstörungen (Dysphagien)
haben, sind diese Störungsbilder ebenfalls Gegenstand der
neurolinguistischen Forschung. Dabei werden u. a.
bestehende Diagnostik- und Therapieansätze evaluiert und
neue Konzepte für die Diagnostik und Therapie entwickelt.
In letzter Zeit finden kognitiv-neurolinguistische Ansätze
auch bei der Erforschung von Störungen des
Schriftspracherwerbs bei Kindern (Entwicklungsdyslexien und
–dysgraphien) ihre Anwendung. In diesem Bereich können so
auch modelltheoretisch motivierte Diagnostik- und
Therapieinstrumente erstellt werden.
In der neurolinguistischen Forschung werden verschiedene
Methoden zur Bestimmung der Zusammenhänge zwischen Sprache
und Gehirn eingesetzt. Eine neuere Methode um die
Beziehungen zwischen sprachlichen Funktionen und
Gehirnstrukturen zu bestimmen besteht in der Analyse von
Aufnahmen mit bildgebenden Verfahren (z.B. PET, fMRT)
während der ungestörten Sprachverarbeitung. Hier zeigen
sich Aktivierungen in unterschiedlichen Hirnregionen in
Abhängigkeit von der sprachlichen Aufgabe. Mit diesen
Untersuchungen konnten die aus Läsionsstudien gewonnenen
Erkenntnisse über die Sprachareale in der linken Hirnhälfte
bestätigt werden. Darüber hinaus traten jedoch auch
Aktivierungen in bisher für die Sprachverarbeitung noch
unbekannte Gebiete auf. In Zukunft wird zu klären sein,
inwiefern diese Aktivierungsmuster außerhalb der
Sprachareale auf die Rolle verschiedener
Gedächtnismechanismen (z.B. prozedurales versus
deklaratives Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, usw.) bei der
Sprachverarbeitung zurückzuführen sind.
Der Schwerpunkt Kognitive Neurolinguistik wird am Institut
für Linguistik von Prof. Dr. Ria De Bleser (Professur für
Patholinguistik/kognitive Neurolinguistik) und ihrer Gruppe
vertreten.
