Die Patholinguistik befasst sich mit der Forschung, Lehre und Praxis in den theoretischen Grundlagen sowie der Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
Der Begriff „Patholinguistik“ umfasst drei Teilbereiche: die kognitive Neurolinguistik, die Psycholinguistik und die Sprachverarbeitung. Diese Teilbereiche beschäftigen sich mit der Erforschung des Zusammenhangs von Sprache und Gehirn, der Entwicklung von Modellen der normalen Sprachverarbeitung und den theoretischen, diagnostischen und therapeutischen Grundlagen von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen bei Erwachsenen und im Kindesalter.
In der Patholinguistik sind ferner Kenntnisse aus den Bereichen allgemeine Sprachwissenschaft, Medizin und Psychologie unabdingbar. Hier liegen die Schwerpunkte in den Fachgebieten der Neurologie, Neuroanatomie und -physiologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Pädiatrie/ Neuropädiatrie und Phoniatrie, sowie der Neuropsychologie und Entwicklungspsychologie.
Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der patholinguistischen Forschung mit sprachgesunden und aphasischen Sprechern können Schlussfolgerungen über die Sprachverarbeitungsprozesse gezogen und fundierte Modelle der Sprachverarbeitung entwickelt werden. Diese Modelle helfen, die Mechanismen bei der Verarbeitung von Sprache (Sprachverständnis, Lautsprache, Lesen, Schreiben) zu verstehen und können wiederum für die Entwicklung von Diagnostik und Therapiematerialien für die Sprachtherapie genutzt werden.
PatholinguistInnen haben theoretische und therapeutische Kenntnisse über Sprach- und Kommunikationsstörungen sowie Sprech- und Schluckstörungen bei Kindern und Erwachsenen. Die Beeinträchtigungen bei Erwachsenen können z.B. durch einen Schlaganfall, ein Schädelhirntrauma, einen chirurgischen Eingriff, dementielle Prozesse u. ä. bedingt sein. In diesem Fall spricht man von erworbenen Störungen. Bei Kindern, die im Verlauf des Spracherwerbs Auffälligkeiten zeigen, spricht man von Sprachentwicklungsstörungen.
PatholinguistInnen arbeiten in verschiedenen klinischen Einrichtungen, Ausbildungsstätten und Forschungseinrichtungen : z.B. Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, geriatrischen Einrichtungen, sprachtherapeutische Praxen, Logopädieschulen, Universitäten etc.
Das Spezialgebiet der klinisch tätigen PatholinguistInnen sind Diagnostik und Behandlungen von Sprachstörungen bei Erwachsenen und Kindern in den Bereichen Phonologie, Semantik, Morphosyntax, Störungen der Schriftsprache bei Erwachsenen und Kindern (Lese- und Schreibstörungen), sowie bei motorischen Sprech- und Schluckstörungen.
Die in Logopädieschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen tätigen Patholinguistinnen bilden angehende LogopädInnen und akademische SprachtherapeutInnen aus und arbeiten in Forschungsprojekten. Hier steht unter anderem die evidenzbasierte Therapieforschung im Vordergrund, bei der wissenschaftlich fundierte Diagnostik- und Therapiematerialien entwickelt werden und ihre Effektivität und Effizienz in kontrollierten Studien nachgewiesen wird. Auch tradierte und klinisch bewährte Therapiemethoden können so verglichen und evaluiert werden. Dies trägt dazu bei, die Qualität sprachtherapeutischer Interventionen nachzuweisen und eine effektive Verbindung zwischen linguistischer Theorie und sprachtherapeutischer Praxis herzustellen.